Abenteuer am Großen Löffler

Schon etwas länger her, aber besser spät als nie!

Am 22.12. kurz vor Weihnachten machten sich Lars und ich auf in das Stilluptal um durch die NordOst Wand des Großen Löfflers ( 60° max75/80° WI3+/4-, 500m) zusteigen!


Einfacher gesagt als getan, aber lest selbst:

Wir starteten um 01:00 in Innsbruck und fuhren recht abenteuerlich in das Stilluptal bei Mayerhofen! Aufgrund des latenten Schneemangels konnten wir ziemlich weit in das Tal mit dem Auto fahren und mussten nicht zu den mitgebrachten Bikes greifen… Als wir auf Grund der eisigen Fahrbahn nicht mehr weiter kamen waren wir schon fast bei der Grünewald Hütte (1436m), schnürten die Bergschuhe und schulterten die Rucksäcke…. los gehts!

 

Es war stock dunkel, keiner von uns hatte annähernd ein Bild von dem Gelände und deshalb entschieden wir uns für den längeren  aber sicher ans Ziel führenden Zustieg.

Wir stiegen über den Sommerweg auf die Kasseler Hütte (2178 m) und von dort weiter über das Westliche  Stilluppkees weiter in das Löfflerkees. Das erste drittel sind wir gut voran gekommen aber ab kurz unterhalb der Kasseler Hütte war es grausame Stapferei die sich bis vor den Bergschrund zog….

 

Lars und der Löffler… welcher noch so weit weg scheint und auch nicht näher kommt! Als wir endlich über den Gletscher waren und vor dem Bergschrund standen war es mittlerweile fast 11.00 Uhr….

 

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Wir entschieden uns dennoch in die Wand einzusteigen! Seilfrei ging es die ersten Eisstufen in einfachem gelänge hinauf. Die Wadel brauchten einige Minuten bis sie sich an die Neigung der Wand und das saurere Brennen gewohnt hatten, aber zügig ging es hinauf!

Schnell waren wir an der ersten schwierigeren Stellen wo wir ca. 30m sicherten, danach wieder seilfrei weiter!

 


Mittlerweile waren wir ca bei der hälfte der wand angekommen und fragten uns ob links oder rechts… Rechts zog ein wunderbares Firncouloir hinauf für welches wir uns entschieden hatten … Fehler! Nach weiteren 150 Klettermetern endete das Couloir vor einem unpassierbaren Plattenaufbau. Wir versuchten es mehrere male gaben aber schließlich auf und kletterten alles wieder ab und wollten die linke Line probieren! Das ganze hat uns sehr viel kostbare zeit gekostet und als wir in der richtigen länge weiter kletterten dämmerte es bereits…keine 30 Minuten später war es stockdunkel! Wir kletterten weiter mit Stirnlampen und hatten noch gut 1/3 der wand vor uns… inclusive zweier senkrechter Eisaufschwünge die sich aber beider sehr gut klettern ließen! Mit Sicherungen brauchten wir nicht viel Zeit verschwenden da schlichtweg nicht viel da war, der letzte „Stand“ war ein von uns geschlagener Haken der einem Sturz keine Sekunden standgestallten hätte… naja nicht denken einfach weiter klettern, soweit ist der Gipfel nicht mehr! Die letzten 150 Meter waren einfaches gelänge die Herausforderung bestand jedoch darin einen geeigneten Punkt zu finden an welchem wir auf den Gipfelgrat aussteigen konnten! Aber auch das meisterten wir nach einem bis jetzt schon sehr langen Tag!

Punkt 19:36 standen wir auf dem Gipfel auf 3379m! Müde aber glücklich das wir nicht nochmal kommen müssen und es doch endlich geschafft haben!

Aber ein Berg ist ja erst bestiegen wen man auch wieder heil unten angekommen ist deshalb machten wir uns zügig an den Abstieg, der laut unseren Informationen über den Westgrat gehen sollte, was uns aber bei den Momentanen Verhältnissen und Dunkelheit eher unmöglich vorkam!

Also machten wir uns über das Frankbachkees SüdWestlich an den endlos langen Abstieg! Und jetzt beginnt das richtige über erst richtig, wir querten das Frankbachkees mehrere mal und warten total orientierungslos auf dem Gletscher unterwegs… nach mehreren Stunden herumirren und diskutieren stiegen wir ziemlich straight ab! Uns war zu dem Zeitpunkt schon fast klar das wir auf der falschen Talseite sind wollten es aber noch nicht ganz wahrhaben und hofften auf ein Wunder, welches natürlich nicht kam! Wir landeten in Südtirol im Ahrntal…. Fuck! Es leuchteten Lichter ziemlich weit unten von einer Straße oder ähnlichem, das war schon ein Riesen Lichtblick für uns, der aber noch mehr als 4 stunden Fußmarsch entfernt war. Wasser update 0,0 Liter! Noch nie in meinem Leben hatte ich so Durst, der eine Liter für den ganzen Tag war doch etwas zu wenig, aber wer konnte ahnen das das so endet!

Um genau 02:15 Ortszeit standen wir auf der Bundesstraße im Armtal.

Wir suchten uns ein offenes Hotel und legten uns total am Ende einfach in die Lobby, der Hotelier tauchte um ca 04:00 im Hotel auf und wirkte komischer weise wenig verwundert was denn bitte zwei ziemlich fertig aussehende Typen in seiner Lobby machen, nach einer Ein-Satz-Erklärung unsere Situation sagte er nur: „Bleib liegen Junge“!! Guter Mann, NEIN Bester Mann!!!

Um 05:00 traf die Freundin von Lars ein um uns abzuholen! Um 07:00 waren wir in Innsbruck, dort gab es erst mal 7 Liter Cafe und Plätzchen.

Um 08:30 zurück ins Stilluptal mein Auto holen, never ending day! Am Eingang das Tales angekommen war die Schranke zu, NEIIIIIIIIN! Zum Glück aber nicht versperrt, was wir aber erst nach 15 Minuten Panik feststellten! Puuh Glück gehabt, wir kommen besten bis zu meinem Auto und der tag nimmt nun endlich ein Ende!

Nach etwas mehr als 34 Stunden waren wir dann endlich daheim und freuten uns wie noch nie auf die wohlverdiente Weihnachtsvöllerei!!

 

Fazit:

Trotz einiger haariger Situationen und viel Erschöpfung war es ein top Abenteuer!! Nur eins würden wir nicht wieder so machen entweder anders/direkter zusteigen oder auf der Greizer Hütte biwakieren und von dort zusteigen und definitiv nicht mehr nach Südtirol absteigen!!

PS: Im Nachhinein stellten wir fest das unser Verhauen im Abstieg ein Stück weit auch an den fehlerhaften Informationen über die Tour (aus dem Internet) geschuldet werden kann…

Euer Julian

Categories: BERG, Julian's Blog, S'GEILSTE

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